Weinende Grundschulkinder

Ich habe in einer 2. Klasse geübt und mir wurde auf’s Neue bewusst, wie viel Struktur die Kinder brauchen. Auch bzgl. der Zeitplanung der Arbeitsphasen. Die Kinder waren noch nicht fertig, da klingelte es schon bald. In den großen Klassen kein Thema, die wissen schon, dass wir das dann eben in der nächsten Stunde oder zu Hause beenden werden. 27 von den 28 Zweitklässlern wussten es auch bzw. haben die Information von mir darüber ohne Panikreaktionen aufgenommen. Bis auf Lasse. Lasse meldete sich und fing plötzlich an herzzerreißend zu weinen. „Ich bin nicht fertig geworden“ brachte er unter schluchzen heraus. Das war wieder der Punkt, an dem mir bewusst wurde, dass ich eben noch nicht in den Köpfen der Kinder drin stecke.

Also Notiz für mich:

  • in den neuen Klassen von Anfang an sagen, wie wir bei Zeitknappheit in den Arbeitsphasen verfahren werden

Denkstrukturen sichtbar machen.

Ich übe ja derzeit leihweise in Klasse 5. Die Klasse ist eine tolle Klasse 5! ich kann in Ruhe etwas an die Tafel schreiben und hinter mir findet kein Mord oder Papierfliegerkrieg statt. Nein, die Kinder schreiben einfach das mit, was ich anschreibe. Ganz ruhig.

Heute habe ich gemerkt, dass ich noch viel viel kleinschrittiger denken und anleiten muss.

Es ging um eine neue grammatikalische Form: present progressive. Schwierigkeit in der Bildung: to be + Verb (-ing)

Mündlich klappte das wie automatisch, nachdem ich nach Ziegesar eine schöne Demophase gemacht habe („Sprachbad“). Schriftlich habe ich mir dann ins Knie geschossen und muss morgen nacharbeiten.

Die Kinder sollten fertige Sätze aus dem Dialog zu einem Bild finden und dann aufschreiben. Blöderweise habe ich sofort geordnet mein Tafelbild mit diesen Sätzen strukturiert; Platz gelassen, alle Satzglieder untereinander usw. geschrieben – es sah anders aus, als bei den Kindern im Heft, sodass die Kinder natürlich das Gefühl hatten, etwas falsch gemacht zu haben. Klein Anna war da natürlich schon wieder vorm Heulanfall, weil sie dachte, sie müsse jetzt alles neu machen.  Neeeeeein, musst du doch gar nicht! Aber woher soll Klein Anna das wissen? Sie kann doch noch gar nicht transferieren und vor allem nicht in der Einführungsstunde.

Stundenziel also teilweise erreicht, da die Struktur noch nicht klar ist. Der Gebrauch allerdings sitzt erst mal.

Den Kurztest haben auch 95% mit 1 abgeschlossen, sodass allen, auch den schwachen Schülern,klar ist, wann wie some und wann wir any verwenden. Also, ein bisschen was haben sie schon gelernt bei mir. Yay!

Das ist so wahnwitzig, dafür muss ein Blog her!

Hallo lieber Leser*,

wie ein Fisch werde ich zum Schuljahr 15/16 ins Grundschulwasser geschmissen. Das wird aufregend und neu und da ich davon überzeugt bin, dass nur ein guter Lehrer sein kann, wer Dinge für sich kritisch reflektiert, sich Fehler zugesteht und daraus lernt, muss unbedingt dieser Blog her.

Ich gebe es zu: ich habe mich während meines „Gymnasiallehramts“studiums öfter gefragt, ob GS- Lehramt für mich nicht besser gewesen wäre. Daher bin ich meiner neuen Aufgabe gegenüber auch durchaus positiv gegenüber gestimmt. Ich unterrichte dann übrigens in einer nicht so spießigen Großstadt. Mehr Infos gibt’s der Anonymität wegen leider nicht.

Im Moment arbeite ich noch an einer anderen Schulform, über die ich lieber nicht blogge. Die Absurditäten und Zustände dort glaubt mir sowieso keiner. Dennoch befasse ich mich innerlich, d.h. in der Freizeit, schon mit allem, was das Netz zur Englischgrundschuldidaktik hergibt.

Eure Betti